Offene Koffer, dunkle Wälder

4.3. Schlüssel zum leeren Haus

Die Sonne geht langsam am frühen Morgen auf nach einer Sommernacht, fremd im beinahe Zuhause. Auf unebener, steiniger Pflasterung gelange ich in einen Hof, vorbei an höchstens zweistöckigen Häusern, vorbei an einem leergeräumten Schaufenster einer Schmuckverkäuferin. Es wirkt so, als sei sie ans Meer verschwunden.

Mein Schritt müde weiter, den Schlüssel in der Hand, durch den unbelebten Hof bis zur Tür des Hauses, in dem wir vorübergehend untergekommen sind. Nach einigen Versuchen finde ich im Halbdunkel das Schlüsselloch der schweren Haustür aus vergangenen Zeiten. Mein Mann scheint im Morgengrauen noch nicht zurückgekehrt zu sein. Das Haus ist leer. Vor dem Betreten ein Blick in den düsteren Eingangsbereich des uralt wirkenden Hauses. Eine Treppe am Ende des Raumes führt in das obere Geschoss, sie ist in der Dämmerung zu erahnen. Schalter schnappen sofort zurück. Das Licht verweigert sich.

Dann war da dieses wohl bekannte Flackern: Sie nahm Raum, mein Licht wurde schmal. Wieder auf dem Gehsteig neben einer viel befahrenen Straße: mein Blick geht zu zwei Mädchen, die bei mir stehen. Erst im zweiten Moment gibt sich die raumgreifende Gefährtin zu erkennen, die irgendwie zu den Mädchen zu gehören scheint. Wie hypnotisiert gehe ich hinterher. Zu einer erhöhten Bar auf einem parkenden LKW mitten auf der Straße.

Mir gegenüber sitzt ihr schweigender Partner. Sein Blick meidet meinen. Er prostet mir benebelt mit seinem farbigen Cocktail mit weissem Sahnehäubchen zu, nüchtern halte ich ihm meine Cola entgegen. Anspannung in den Oberschenkeln, ein unruhiges Schwanken im Oberkörper halten die Stille zwischen uns. Andere versuchen mit lauten Geschichten den Ernst der Situation zu überlagern.

Wir gehören nicht hierher.
Vielleicht bilde ich mir das ein.