Reden, malen, schweigen
5.3. Entgegenkommen ohne Begegnung

Ein Garten, die Sonne scheint, gemähte Wiese, irgendwo Büsche und ein einzelnes Haus, alles normal. Ich stehe da, und ein Ball fliegt mir entgegen, und ich weiß nicht, ob ich ausweichen oder stehen bleiben soll.
Dann ein flaches Gebäude am Hafen, gläserne Scheiben, dunkle Rahmen, ein Steg, der vom Gebäude um die Ecke zum Wasser führt. Die Sonne scheint kräftig, und wir verlassen eine Veranstaltung im Innern, sind auf dem Weg hinaus unter den freien Himmel. Ich bin unterwegs mit einem rivalisierenden Mann und seiner Frau. Der Mann lächelt breit und zeigt seine Zähne, sucht nach Erwiderung seiner Geste, sein Blick fixiert aber nur die Münder. Mein Mund wird trocken; Worte kleben fest.
Das Paar tanzt Tango, während ich mich irgendwie einzuklinken versuche. Er führt sie mit ausschweifenden Gesten über die Tanzfläche, sie gähnt, und schließlich verabschiedet sie sich. Jetzt ergreift der Mann mich, fast erleichtert über ihre Abwesenheit, und erwartet von mir nun mehr Extravaganz.
Ich fühle mich von ihm durch die Gegend gezogen, gezerrt, bedrängt und in seiner Umklammerung gefangen, trotz ausladender Bewegung erstarrt.
Dann finde ich mich wieder in der Wohnung eines nach außen professionell, kontrolliert wirkenden Paares. Ihre Umgebung ist ästhetisch durchdacht. Ich sitze auf einer Ledercouch und blicke auf die gegenüberliegende Fensterfront. Die beiden sitzen in der Mitte des Raumes, während rechts neben der Haustür ein nacktes Aktmodell auf der Couch liegt. Die Frau erfährt in einem Gespräch mit mir von meinem Interesse am Singen von Mantren. Sie bietet mir mehrere Termine an, im Winter in ihrem Ambiente Gesangskurse zu geben.
Für mich verschwindet bereits das sattgrünen Laub von den Zweigen und ich fühle mich trotz des freundlichen Angebotes bedrängt, zögere ängstlich. Ihr Partner bemerkt meine Unsicherheit und cancelt das Angebot. Er entscheidet stellvertretend, über meinen Kopf hinweg, dass es sich nicht lohne.
Die beiden haben einen schwarzen Hund. Er setzt sich zu mir auf den Schoß, während die Frau mir eine lange Geschichte zu seinem Namen erzählt. Als sie den Namen ausspricht, wirkt es plötzlich so, als hätte ich etwas gehört, das nicht für mich bestimmt war. Der Raum dreht sich für einen Moment um mich. Benommen folge ich dem Mann hinaus. Sein Gesicht wirkt hager, gelblich, sein Grinsen wirkt jetzt fast dämonisch. Sein Körper hängt schief. Ich biete ihm an zu reden, doch er wehrt mich ab. Ich verstumme sofort, dränge mich nicht auf.
Dann kippt er um. Ich stütze ihn. Plötzlich spritzt er mir Flüssigkeit ins Gesicht. Ich lasse ihn los, lasse ihn liegen, gehe weg.
Wieder oben in der Wohnung: Ich möchte erzählen, was passiert ist, doch mir fehlen die Worte.


