Zwischen Blickachsen und inneren Karten
6.3. Zwischen Biotop und Stadt

Mein erster Arbeitstag steht bevor. Der Weg führt in ein steriles Bürogebäude. Die Zeit zieht an, von allen Seiten. Im Moment befinde ich mich mit meinem Strickzeug noch auf einer kleinen Insel, auf der Bäume wachsen, inmitten eines Biotops aus Wiesen, Feldern und kleinen Wäldern, und ich weiß nicht, warum. Ich trage eine dünne hellgraue Stoffhose und eine knappe Bluse – Stoff, Falten, Blick in Stoff. Eilig verlasse ich nun die Insel in der Hoffnung, dass es nicht auffällt, und deponiere meine Wolle am Fahrrad, ohne zu wissen, ob das stimmt.
Dann fahre ich eine Strecke, stelle das Fahrrad irgendwo an einstürzenden, hölzernen Gartenzäunen einer Siedlung in verwilderten Gärten ab. Hier werden auch meine Sandalen am Fahrrad deponiert, und später weiß ich nicht mehr, wo. Zumindest beginnt die Suche nach den Schuhen für den Firmentermin. Die Zeit ist inzwischen schon ziemlich knapp, die Frage kommt zu spät.
Barfuß auf Sandwegen zwischen den riesigen, umzäunten Wiesen und Waldeingängen irre ich umher, wie auf verwilderten Straßen. Dann blicke ich auf drei parallele Straßen. Da sie alle in dieselbe Richtung führen, ist die Orientierung noch schwieriger, Richtung reicht nicht. Einer der Wege gibt hinter Bäumen den Blick frei auf eine urbane Szene mit einer Brücke aus Backstein, ein anderer Sandweg führt geradeaus durch eine flache Landschaft in die Ferne, und ein dritter Weg scheint bergauf in einen Tannenwald zu führen.
Alles ist offen.
Immer noch auf dem Weg zum ersten Arbeitstag befinde ich mich beim Aufbruch in einem fremden Badezimmer in einer Wohnung, mit anderen mir unbekannten Leuten, die hier ebenfalls übernachtet haben. Das Bad wirkt kleinkariert wegen der kleinen Kacheln am Boden. Ich sammele meine zahlreichen Kosmetika, Ohrringe in Tierform, die etwas billig aussehen, und meine Schminke zusammen, langsam, klebrig. Sie liegen auf dem Boden, sie sind verschwunden.
Man bietet mir ein anderes Make-up an, das aber zu dunkel und zu rötlich für mein Gesicht ist, so wie ich es kenne.
Aus Versehen klebe ich mir Powerstrips ins Gesicht, die getränkt in eine rosa Creme, meine Haut von Unreinheiten reinigen sollen, aber aktuell einfach nur stören und schwer zu beseitigen sind. So kann ich nicht gehen.
Jemand bietet mir diverse Cremes aus einem Sammelspender an, und anstelle von Make-up schmiere ich mir ein grünes Gel ins Gesicht.
Ich blicke in den Spiegel, und meine Augenbrauen, die ohnehin etwas wild wachsen, erscheinen nun besonders dunkel und buschig. Sie scheinen sogar über ihren Bogen hinaus in den Haaransatz überzugehen. Ich versuche, diese Erscheinung zu ignorieren, und hoffe immer noch darauf, endlich das richtige Make-up zu finden, obwohl es bestimmt schon zu spät für meinen rechtzeitigen Arbeitsbeginn ist, als würde der Spiegel die Vorgaben machen.


