Zwischen Blickachsen und inneren Karten
6.4. Kasernenplanung

Es werden Modelle für eine Militäranlage geplant.
Ich bin bei einer Künstlerin in der Küche, die früher immer bestimmen wollte, wie Dinge zu laufen haben — und auch jetzt klare Grenzen setzt. Im Gegensatz zu früher ist mein eigener Raum sehr wohnlich eingerichtet und ihre Vorwürfe bremsen vor der Haustür ab.
Ihre Küche befindet sich vor einer Fensterfront, die viel Licht in den Wohnbereich lässt. Zwischen Küchenzone und Wohnbereich hängt ein Bild. Zuerst denke ich, die Künstlerin selbst sei darauf zu sehen. Dann erklärt sie mir aber, dass es eine bekannte Künstlerin ist, die sich selber gemalt hat und ihr das Bild geschenkt hat. Ich schaue genauer hin und sehe eine Frau in einer weißgekachelten Küche, als würde die Szene gespiegelt — doppelt und doch fremd.
Die Künstlerin arbeitet unaufhörlich an einem Projekt, das auf einem kasernenartigen Gelände realisiert werden soll. Vor mir steht ein Modell aus weißer Pappe, und ich möchte mich mit einer Wiese aus Buchstaben beteiligen, die sich aus dem Papier heraus falten und zum Himmel strecken sollen. Doch meine Idee wird verworfen — eine sachlich wirkende, fast behördliche Frau mit Pagenkopf scheint längst entschieden zu haben, was „richtig” ist, ohne es zu sagen.
Ich befinde mich in einer Bank. Ein breites, flaches Gebäude mit langem Tresen, offener Grundriss, alles übersichtlich. Das Licht hier ist sehr hell, als würde Sonne hereinscheinen, und der seegrüne Teppichboden leuchtet grell — wie im Tele-Tubby-Land. Hinter den Büroflächen erstreckt sich ein schmales Fensterband, durch das der See glitzert, der im Anschluss an eine sommerliche Badewiese den Horizont abschließt.
Ich stehe in einer Warteschlange hinter einer ehemaligen Klassenkameradin, die früher zurückhaltend war.
Ein subtiler Wettbewerb holt uns ein. Etwas schelmisch lacht sie dazu, als wolle sie sich kurz vor mich setzen — was mich reizt. Ich stelle mich neben sie an den Tresen und will mich beschweren, doch plötzlich drängeln sich alle anderen vor.
Ein buntes Chaos entsteht in dem sonst so stillen Gebäude. Die Bankangestellten fliehen aufgeregt, und schließlich zerläuft die Hoffnung, hier noch etwas zu erreichen. Dann trete ich hinaus.
Eine Badeanstalt am See hat hier ihr Gelände gepflastert. Vor mir läuft eine sehr alte Frau, mal wirkt sie wie eine Freundin, mal wie eine Rivalin — Identitäten überlagern sich, wie im Bild zuvor. Sie läuft vor mir, jetzt in schwarzen Trainingsklamotten. Ihre Silhouette ist ungewohnt schlank und straff, ihr Hintern wirkt sogar knackig. Sie trägt eine Gürteltasche so, dass sie den Po nach oben drückt. Ich staune — ihr Rücken schwankt im Bild: mal voll, mal streng, Form im Wechsel der Erinnerung. Neben ihr läuft eine weiß gekleidete Begleiterin, ebenfalls schlank. Ich unterhalte mich mit der Alten, ob ich sie am Folgetag besuche — doch selbst diese Absprache schafft jetzt keine Nähe.


