Über dem Wasser – am Rand des Waldes

3.3. Ihre Plateausandalen

Ich besuche mit meinem Mann eine Künstlerin, die Zuwendung an Leistung bindet. Sie war immer sehr bestimmend, immer sicher, zu wissen, wie etwas zu sein hat. Jetzt sitzen wir im Traum bei ihr auf dem Boden. Die Wohnung, in der sie wohnt, ist mir unbekannt: ein großzügiger quadratischer Ort, warm, offen wie ein Yoga-Studio. Dort liegt auch mein weißes Fell mit meinem Heizkissen und einer Yogamatte: Dinge, die aus meinem Alltag stammen, etwas von mir ist hier noch geblieben.

Ich beginne zu putzen, reinige emsig Dinge und vor allem ihre Plateausandalen in Größe 37: gelbe, dicke Lacksohlen, mit einem Riemchen auf den Zehen und einem an der Fessel.
Diese Größe ist eigentlich zu klein für sie, und doch passend, als sei sie Aschenputtel und sie sagt: „Man wird sich freuen, wenn man mich wieder in diesen Schuhen sehen kann!“ Menschen freuen sich also nicht nur über ihre Kunst, sondern auch über ihre Schuhe. Ich tue alles, damit sie strahlt und verschwinde.

Besonders viel Aufmerksamkeit wird benötigt, damit beim Reinigen kein Wasser auf die Dielen gespritzt wird, die aus Papier zu sein scheinen und sofort aufquellen, wenn sie etwas nass werden. Die Frau prüft schweigend.

Auch nachdem ich die Wohnung verlassen habe, die Schuhe endlich sauber, die anderen schon längst im Bett, und ich eilig jegliche Unordnung beseitigt habe, die ich hätte hinterlassen können, sehe ich, wie sie kontrolliert, jede Stelle betrachtet. Mein Atem bleibt flach, als wäre ich nur hier gewesen, um keine Spuren zu hinterlassen. Sie schaut die Sandalen genau an, ob sie zu viel Wasser bekommen haben, ob vielleicht die Sohle aufquillt.

Sie prüft jede Stelle.

In einem Hochhaus stellt eine Frau bei Minusgraden rechteckige Gebäcke her, die mit Äpfeln gefüllt sind. Kälte hält das Weiche fest.

Eine andere Frau an meiner Seite: zärtlich und müde, ich werde ihr Spiegelbild, damit sie sich nicht verliert, bleibe dicht bei ihr, wenn sie schwankt. Wir müssen fliehen.

Wir verlassen ihre Wohnung für ein halbes Jahr. Die Blumen bleiben zurück. Die Räume: groß, zugig, kalt, offene Türen, leere Räume. Ich sage: „Wir brauchen einen Plan, wie wir die Touristen austricksen und ihnen ausweichen. Auf den Serpentinen, zwischen Felsen, warten sie.“

Ich mahne weiter: „Sie haben uns bereits schon einmal aufgelauert und werden uns überfallen. Diesmal ohne Kompromisse.“ Die Frau hört nicht zu.

Stattdessen kosten wir Pudding mit Fruchtsoße.