Grauer Wolf

Vor dem Haus koche ich auf heißem Stein Kaffee, Brühe und Ei in einer Mulde, Dampf schlägt mir ins Gesicht. Ein grauer Wolf tritt heran, leckt die Reste und legt sich neben mich, sein warmer Atem streift meinen Arm.

Ein altes Haus soll entkernt werden. Wände offen, ein neues Innenleben. Größere Fenster ziehen Licht herein. Auf der Suche nach einem Grundstück wird die Nähe von Wölfen spürbar: Augenpaare am Waldrand, Rascheln im Gehölz. Verräterischer Geruch meines Proviants hängt schwer in der Luft.

Später koche ich dennoch vor dem Haus. Kies unter den Füßen, eine Mulde voll Wasser. Ich streue Kaffeepulver, Brühe, schlage ein Ei auf. Eine halbe Schale fällt in die heiße Flüssigkeit. Dampf schlägt mir ins Gesicht, Hitze auf der Haut, teile die Suppe, lasse die Schale im Bodengrund zurück, löffle mit dem Mann an meiner Seite.

Ein grauer Wolf tritt heran. Er senkt den Kopf, schleckt die Reste aus der Mulde, besonders die Schale. Dann legt er sich zu uns. Fell an meinem Arm, sein Atem warm. Meine Nackenhaut zieht sich zusammen. Ein schmaler Grat zwischen Nähe und Biss.